Voraussetzungen zum Einsatz der Telemedizin im Praxisalltag

Wie in meinem letzten Beitrag angekündigt, erfahren Sie heute alles rund um die technischen und räumlichen Voraussetzungen zur Durchführung einer Videosprechstunde. Außerdem habe ich Ihnen Checklisten zusammengestellt, welche Ihnen den Start in die Welt der Telemedizin erleichtern. Die Regeln gelten für die kassenärztliche Behandlung. Ich empfehle Ihnen aber auch bei der Behandlung Ihrer Privatpatienten diesen Rahmen nicht wesentlich zu verlassen.

1. Technische Voraussetzungen

Sie benötigen Bildschirm, Kamera, Lautsprecher und ein Mikrofon – es ist auch erlaubt, die einzelnen Funktionen in einem Gerät zusammenzufassen. Ich bevorzuge ein Headset. Der Ton und die Sprachqualität sind wesentlich besser als bei den Computer – Lautsprechern. Zudem nutze ich statt eines Computers ein Tablet. Darin sind Bildschirm und Kamera vereint und ich bin innerhalb der Praxis mobil.

Sehr wichtig ist ein schneller Internetanschluss. Die Internetgeschwindigkeit ist entscheidend für die Qualität der Videoverbindung. Können Sie in Ihrer Praxis Skype, Zoom oder Microsoft Teams problemlos nutzen? Dann ist Ihr Internetanschluss schnell genug für die Videosprechstunde. Lassen Sie sich trotzdem vom Anbieter der Videosprechstunde eine Vorführung geben, bevor die erste Behandlung stattfinden soll.

2. Räumliche Voraussetzungen

Wie bei einem normalen, physischen Arztbesuch sind die Vertraulichkeit und Sicherheit der Patientendaten ebenfalls in der Telemedizin von höchster Wichtigkeit. Daher ist es absolut notwendig, dass Sie die Videosprechstunden in geschlossenen Räumlichkeiten durchführen, die Privatsphäre und Ruhe bieten. Öffentliche Plätze, wie Cafés oder ähnliches eignen sich nicht, und sind auch nicht erlaubt. Achten Sie ebenfalls auf eine ausreichende Ausleuchtung Ihrer Umgebung – Ihr vorhandenes Sprechzimmer eignet sich dafür meist besonders gut.

Falls Sie von zu Hause arbeiten möchten, klären Sie vorab mit Ihrer zuständigen KV, ob dies unter der Praxis-Betriebsstätte laufen kann oder ob hierfür eine neue Betriebsstätte genehmigt werden muss. Damit gehen Sie möglichen Problemen bei der Abrechnung aus dem Weg.

 

Checkliste vor dem Start in Ihrer Praxis

Checkliste Durchführung der ersten Videosprechstunde

Die unten bereitgestellte Linksammlung hilft Ihnen dabei, die richtigen Dokumente für die jeweilige KV zu finden. Folgen Sie einfach der Checkliste, schicken Sie das Antragsformular zur KV und bald können Sie Videosprechstunden in Ihrer Praxis anbieten.

Falls Sie trotzdem noch unbeantwortete Fragen haben, melden Sie sich gern bei unserem Kundenservice. Wir helfen Ihnen gern!

Alle Informationen beruhen auf den Regelungen der KBV im März 2022. Ich aktualisiere diese, sobald neue Regelungen verabschiedet werden, erhebe aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Dr. Benjamin Gutermann, Chief Medical Officer MedKitDoc

Hier gehts zur Linksammlung

Warum soll ich Telemedizin in meiner Praxis nutzen?

Diese Frage höre ich in letzter Zeit öfter, und ich gebe zu, ich habe sie mir vor zwei Jahren auch gestellt. Schließlich bin ich Arzt geworden, weil ich den persönlichen Patientenkontakt wertschätze und mich gern in komplexe Krankheitsbilder hineindenke. Anamnese und körperliche Untersuchung – über Jahre gelernt und verfeinert – sind schließlich die Grundlage meiner praktischen Arbeit.

Die vergangenen eineinhalb Jahre haben auch dank Entscheidungen unserer Berufsorgane (Erleichterung der Fernbehandlung und Erweiterung des EBM) der Telemedizin zum Aufschwung verholfen. Für mich war zunächst ein wenig Eingewöhnung in die Fernbehandlung notwendig.

Warum also habe ich dieses Neuland betreten?

Lassen Sie uns gemeinsam die Gründe für die zunehmende Anwendung der Videosprechstunde erörtern und nachvollziehen.

1. Zeitersparnis & neue Ressourcenallokation

Ganz egal ob Sie eine Praxis haben oder nicht – den Anspruch, jeden Patienten gleichwertig zu behandeln, hat jeder Arzt an sich selbst. Dafür nehmen wir auch lange Fahrtwege für Hausbesuche zu mobilitätseingeschränkten Patienten in Kauf. Diese kosten zwar Zeit, sind aber die einzige Möglichkeit, diesem Versprechen nachzukommen und auch den Patienten in seiner Umgebung zu erleben. Auch durch Telemedizin kann ich nicht vollständig auf Hausbesuche verzichten und das möchte ich auch nicht. Folgebesuche erledige ich aber gerne „digital“.

In der eingesparten Zeit des Fahrtweges kann ich schließlich entweder andere Patienten behandeln, administrativen Aufgaben nachgehen oder auch einfach mehr Freizeit mit meiner Familie verbringen. (Geräteunterstützte) Telemedizin ist hier ein erster Schritt zu einer nachhaltigen Lösung.

2. Erweiterung der Reichweite der Praxis

Falls Sie gern mehr Patienten behandeln würden, hilft Ihnen die Telemedizin dabei, Ihre Reichweite auszubauen. Jetzt können sich auch Menschen außerhalb Ihres ursprünglichen Patientenumkreises online zu Ihnen schalten und behandeln lassen. Dieser digitale Patientenzuwachs erhöht Ihren Umsatz fast so als wären die Patienten bei Ihnen vor Ort, ohne dass Sie Ihr Wartezimmer oder den Patientenparkplatz erweitern müssen.

3. Erweiterung des Leistungsspektrums um Telekonsile

Desto mehr Patienten, umso wahrscheinlicher ist es auch, dass wir öfter bestimmte Krankheitsbilder vielleicht nicht allein lösen können. Da wir nicht allwissend sind, können Telekonsile oder Videofallkonferenzen mit Experten und Fachärzten einen großen Mehrwert in der Patientenversorgung von morgen liefern. Sie sind vielleicht sogar ein Facharzt? Warum dann nur mit den lokalen Fällen auseinandersetzen, wenn Sie die Möglichkeit haben, überregional Patienten und Kollegen mit Ihrer Expertise zu helfen.

4. Innovation für Risikogruppen

Persönlicher Patientenkontakt ist auch ohne physischen Kontakt möglich, und wichtiger denn je. Die gesundheitlichen Folgen von Vereinzelung und Isolation bemerken wir gerade deutlich. Ich möchte mich gerne von Angesicht zu Angesicht um meine Patienten kümmern. Das fällt mir zurzeit aber besonders bei meinen Risikopatienten schwer, welche aus Angst vor einer Infektion nicht in meine Praxis kommen möchten und das kann ich verstehen. Auch meine Coronapatienten möchte ich gut versorgen – aber nicht unbedingt in der Praxis. Gerade bei ernsthaften Infektionserkrankungen ist mir die Beratung per Telefon aber zu unscharf für eine gute Einschätzung des Patienten. Dank neuen und innovativen Lösungen der Telemedizin kann ich allen meinen Patienten eine gute Gesundheitsfürsorge bieten und dabei deren Wünsche und meinen Bedarf gleichzeitig erfüllen.

Falls Sie sich nun fragen: Wie binde ich Telemedizin am besten in meinen Alltag ein? Was für Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit ich damit überhaupt arbeiten kann? – Keine Sorge! All diese Informationen finden Sie in unserem nächsten Beitrag.

Dr. Benjamin Gutermann, Chief Medical Officer MedKitDoc